Tag der Nisthilfen 2018

Folgender Bericht erschien am Dienstag 18. Dezember in einer Grossauflage der Elgger/Aadorfer Zeitung und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors Rolf Hug wiedergegeben.

Im Einsatz für die Artenvielfalt

Am Samstag trafen sich Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins Aadorf und weitere Interessierte morgens beim Schwimmbad Heidelberg zu einem Waldrundgang im Gebiet Guggenbühl.

AADORF – Geri Schwager, Forstingenieur und Verantwortlicher für das Gebiet Guggenbühl, führte die Teilnehmer zu acht verschiedenen Standorten im Wald, wo an Bäumen Nistkästen angebracht waren. Diese stichprobenartig ausgewählten Kästen gaben Aufschluss über den Bruterfolg des vergangenen Jahres. Ausgerüstet mit einer Leiter und diversen Werkzeugen, wie Spachtel Schraubenzieher und Geissfuss, zeigte er fachmännisch, was beim Aufstellen und bei der Pflege von Nisthilfen zu beachten ist. Dabei wurden die Holzkonstruktionen sorgfältig demontiert, auf Schäden geprüft und die vorhandenen Nester bezüglich Vogelarten untersucht. Anschliessend wurde das Innere der Kisten gründlich mit dem Spachtel gesäubert und der Kasten danach wieder am Baum platziert.

Der ideale Standort für einen Nistkasten ist auf der Höhe von etwa drei Metern. Dabei sollte nicht unbedingt der wertvollste Baum mit dem schönsten Wuchs ausgewählt werden – der Förster und die Waldbesitzer werden dies zu danken wissen. Die Ausrichtung sollte gegen Südosten sein, so ist ein guter Schutz gegen Regen gewährleistet. Ideal ist, wenn der Kasten nicht mit Nägeln an den Baum geschlagen, sondern beim Dach mit einer Drahtschleife versehen wird. Mit Hilfe dieser Schleife kann der Kasten über ein Aststück möglichst nahe am Baumstamm montiert und so für Unterhaltszwecke oder bei Waldarbeiten rasch umplatziert werden.

Der Natur- und Vogelschutzverein (NVV) Aadorf betreut auf Gemeindegebiet etwa 350 Nistkästen. Das ganze Gebiet ist in neun Rayons unterteilt; jeder Gebietsverantwortliche ist dabei zuständig für etwa 40 Nisthilfen. Die ganze Arbeit wird ehrenamtlich gemacht, der Aufwand, um ein Rayon zu unterhalten, beträgt etwa ein Arbeitstag. Das jährliche Reinigen und die Kontrollen geben nicht nur Aufschluss über die Artenvielfalt und den Bruterfolg, sondern sind auch wichtig um Platz zu schaffen für zukünftigen Nachwuchs. Jedes Nest, das die Vögel mit Moos, Laub, Federn, Haaren, Gräsern, dünnen Zweigen erstellen ist einige Zentimeter dick. Schon nach wenigen Jahren wäre der Nistkasten so voll, dass keine Brut mehr möglich wäre.

Gestresste Bäume

Unterwegs zum nächsten Standort versperrten ein paar umgestürzte Eschen den Weg. Zeugen des starken Sturmes der vergangenen Tage. Dies veranlasste Geri Schwager einigen Informationen über den Zustand des Waldes im Allgemeinen weiterzugeben. Durch denlangen Hitzesommer mit wenig Niederschlag, wurde es für die Bäume zu einem zunehmenden Stress, genügend Wasser aufzunehmen. Auch stehen sie in ständiger Konkurrenz zu den benachbarten Bäumen, denn nicht jeder Baum kann sich bei Knappheit gleichmässig mit Wasser versorgen. Diejenigen, die zu wenig Wasser abbekommen, werden zunehmend geschwächt, der Stamm wird ausgedörrt, die Wurzel fault ab und oft werden sie zusätzlich mit schädlichen Pilzen befallen. So nimmt ihre Widerstandskraft ab, soweit, dass es nur einen durchschnittlichen Wintersturm braucht, um die Bäume wie Zündhölzer zu fällen.

Nach einem Hitzesommer wie in diesem Jahr braucht der Wald einige Jahre um sich wieder zu erholen. Verheerend wäre es, wenn das nächste Jahr mit ähnliche hohen Temperaturen und ebenso wenig Niederschlag aufwarten würde. Doch die letzten Jahre machten klar: die Hitzeperioden nehmen zu. Welche Auswirkungen dies auf die Bäume hat ist noch nicht ganz schlüssig. Eventuell verlagert sich die Baumgrenze mehr in die Höhe, oder es werden einige Arten verschwinden und es müssen in Zukunft neue, hitzeresistentere Bäume angepflanzt werden.

Ausklang bei der Eisweiherhütte

Ein besonderes Bild bot sich bei einem der letzten zu kontrollierenden Nistkästen. Im verwaisten Nest lagen noch fünf winzige Meiseneier. Wahrscheinlich kamen die Vogeleltern bei der Nahrungssuche ums Leben und konnten so die Brut nicht zu Ende führen.

Doch trotz diesem eher traurigen Abschluss der Exkursion kann bilanziert werden, dass gut drei Viertel aller untersuchten Nester einen Bruterfolg auswiesen.

Da die Temperaturen im frostigen Bereich lagen, waren alle Teilnehmer dankbar, gegen Mittag die Hütte beim Eisweiher zu erreichen. Ein Feuer sorgte für behagliche Wärme von aussen und der Glühwein für für eine ebensolche von innen. Dazu wurden noch Wurst und Brot sowie Kaffee und Kuchen aufgetischt und man tauschte sich über das neuerworbene Wissen rege aus.

ROLF HUG

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