Beitrag aus der Elgger/Aadorfer Zeitung vom Dienstag, 11. März 2025 mit freundlicher Genehmigung durch die Redaktion.
Bild: Michael Gerber / Birds-online.ch
AADORF Die Igelpopulation ist in Westeuropa in den letzten zehn Jahren stark zurückgegangen – in der Schweiz wird der Igel seit 2022 als «potenziell gefährdet» eingestuft. Die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig, sind oft aber menschgemacht: Intensivierung der Landwirtschaft, Zunahme von Verkehrswegen und Verkehr, fortschreitende Überbauung der Landschaft.
Vielen Tieren sind die Gärten in den Siedlungsräumen eine neue Heimat geworden. Umso wichtiger ist es, dass diese Gärten für die Tiere sicher sind und ihnen neben Nahrung auch Schutz bieten. Gerade Igel sind aber auch tolle Gartenhelfer und vertilgen zum Beispiel ungewollte Engerlinge und Raupen.
Vergangenen September hatten wir an gleicher Stelle über Möglichkeiten berichtet, wie Gartenbesitzer Igeln beim Überwintern helfen können. Nun werden die Tage wieder länger und wärmer, ab März erwachen die Igel aus ihrem Winterschlaf und streifen auf der Suche nach Nahrung durch unsere Gärten und Siedlungen. Dabei begegnen die Igel vielfältigen Gefahren.
Mähroboter
Viele Hausbesitzer nutzen Mähroboter um ihren Rasen ohne grossen Aufwand in Form zu halten. Vielen ist dabei nicht bewusst, dass Mähroboter für Kleintiere, wie Insekten, Amphibien oder Reptilien, als auch für Igel sehr gefährlich sind. Vor allem kleine Jungtiere sind stark gefährdet.
Da Igel, wie auch viele andere Kleintiere, meist nachts unterwegs sind, lässt sich das Risiko von verletzten Igeln minimieren, wenn Mähroboter ab Einbruch der Dämmerung nicht mehr verwendet werden. Wer sich einen neuen Mähroboter anschafft, kann darauf achten ein möglichst igelfreundliches Modell anzuschaffen, zum Beispiel eines, welches automatisch nach Dämmerung den Betrieb einstellt. Zudem zeigt sich, dass Mäher mit kleinen Fliehkraftmessern deutlich weniger schwere Verletzungen erzeugen als Mäher mit grossen Messern.
Oder Sie ersetzen Ihren kurzgeschnittenen Rasen durch eine bunte Blumenwiese und bieten damit ganz vielen Tieren eine neue Nahrungsquelle.
Strassenverkehr
Leider sterben jährlich zahllose Igel im Strassenverkehr. Durch eine angepasste Geschwindigkeit und eine rücksichtsvolle Fahrweise lässt sich das Risiko von Unfällen mit Igeln verringern.
Mit Ausnahme des Winters muss das ganze Jahr über mit Igeln auf der Strasse gerechnet werden. Ganz besonders oft sind Igelmännchen zwischen April und August unterwegs – dann legen sie auf der Suche nach Weibchen weite Strecken zurück. Häufig sind Igel kurz nach dem Eindunkeln und bei Tagesanbruch anzutreffen, aber auch während der ganzen Nacht ist mit Igeln zu rechnen.
Wie sollten sich Autofahrer verhalten, wenn sie einen Igel auf der Strasse antreffen? Als allererstes gilt es an die eigene Sicherheit und die der weiteren Verkehrsteilnehmer zu denken. Wenn möglich sollten sie versuchen auszuweichen; den Igel zwischen die Räder zu nehmen ist bei vielen Autos problematisch, da der Bodenabstand zu gering ist und damit der Igel trotzdem verletzt wird. Wer dem Igel helfen möchte, kann ihn von der Strasse wegtragen, hin zu der Seite zu der der Igel gelangen wollte, also in Laufrichtung. Da Igel standorttreu sind, ist es nicht sinnvoll ihn in den nächsten Wald zu tragen.
Wenn Sie sich eine pflegeleichte, naturfreundliche Umgebungsgestaltung wünschen, sprechen Sie doch Ihren Gärtner, Ihre Gärtnerin oder Gartenbauer und -bauerinnen auf Alternativen zum Schottergarten an!
JÖRG HELFENSTEIN, NATUR- UND VOGELSCHUTZVEREIN AADORF
Verletzter Igel – was tun?
Sollten Sie einen Igel finden, der verletzt ist, sicheren Sie den Igel, indem Sie ihn mit Handschuhen oder einem Tuch vorsichtig aufnehmen, ihn in eine grosse mit Zeitungspapier ausgelegte Kartonschachtel oder Plastikkiste legen und setzen sie sich so rasch als möglich mit einem Fachmann in Verbindung. Adressen und Telefonnummern unter:
www.pro-igel.ch/igel-in-not


