Zeitung | Bericht EAZ – Sommerfütterung von Gartenvögeln: Gut gemeint, aber nicht immer hilfreich

Beitrag aus der EAZ vom Di, 07.07.2026 mit freundlicher Genehmigung durch die Redaktion.

Hausrotschwanz mit proteinreicher Nahrung für den Nachwuchs (Bild: Jörg Helfenstein)
Hausrotschwanz mit proteinreicher Nahrung für den Nachwuchs (Bild: Jörg Helfenstein)

Warum die Futterstelle im Sommer nicht immer die beste Hilfe ist – und was Vögeln im Garten wirklich nützt.

Wenn im Sommer Meisen, Spatzen und Amseln den Garten beleben, greifen immer mehr Menschen zum Vogelfutter. Was im Winter als sinnvolle Hilfe gilt, wirkt auch in der warmen Jahreszeit zunächst wie eine einfache gute Tat. Doch gerade während der Brut- und der Aufzucht der Jungvögel ist die Sache komplizierter: Falsches Futter oder mangelnde Hygiene können mehr schaden als nützen.

Zwischen Hilfe und Risiko

Die Sommerfütterung von Gartenvögeln wird kontrovers diskutiert. Befürworter verweisen darauf, dass eine gut betreute Futterstelle Vögeln zusätzliche Energie liefern kann – besonders dort, wo natürliche Nahrung knapp geworden ist. Altvögel können dadurch ihren eigenen Energiebedarf decken und die möglicherweise knappe Insektenbeute eher an ihre Jungen verfüttern. Auch gerade flügge Jungvögel profitieren mitunter vom leicht erreichbaren Zusatzangebot und können dadurch bessere Überlebenschancen haben.
Dennoch raten Naturschutzverbände von einer Fütterung im Sommer oder gar einer ganzjährigen Fütterung ab. Denn Jungvögel brauchen in der Aufzuchtphase keine Körner oder fettreiches Winterfutter, sondern vor allem weiche, eiweissreiche Nahrung wie Insekten und Raupen. An Futterstellen treffen viele Vögel auf engem Raum zusammen – und mit ihnen auch Krankheitserreger. Wird die Futterstelle nicht regelmässig gereinigt oder verunreinigt das Futter, kann die Ansteckungsgefahr steigen. Hinzu kommt, dass bei hohen Temperaturen das Futter schneller verdirbt.

Was Vögeln im Sommer wirklich hilft

Wer Gartenvögel im Sommer unterstützen will, hilft ihnen am nachhaltigsten mit einem strukturreichen Garten. Das ist heute wichtiger denn je: Insekten sind in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts stark zurückgegangen, ihre gesamte Biomasse hat massiv abgenommen. Für Vögel ist das ein Problem, denn viele Arten – und besonders ihre Jungen – sind auf Raupen, Käfer, Fliegen und andere Kleintiere angewiesen. Entscheidend sind deshalb heimische Wildpflanzen, Sträucher und Bäume, die Insekten anziehen, Samen und Beeren bilden und zugleich Schutz bieten. Eine wilde Ecke, stehen gelassene Blütenstände, ein ungemähter Randstreifen oder ein Ast- und Laubhaufen schaffen Lebensräume für Käfer, Raupen und andere Kleintiere – und damit genau jene natürliche Nahrung, die im Sommer oft knapp ist. Auch offene Bodenstellen sind wertvoll: Auf Maulwurfshügeln oder kahlen Erdflächen finden Vögel leichter Insekten, Würmer und Mineralien, manche Arten nutzen sie zudem für ein Staub- oder Sandbad. Hecken, Kletterpflanzen und dichte Sträucher bieten Nistplätze, Verstecke und Schutz vor Fressfeinden. Ebenso wichtig ist Wasser: Eine flache Schale an einem sicheren, katzengeschützten Ort dient als Trink- und Badestelle, muss bei Wärme aber täglich gereinigt und frisch befüllt werden. Wer zusätzlich Nistmöglichkeiten schafft, Fassaden und Dächer nicht während der Brutzeit saniert, auf Pestizide verzichtet und den Rasen nicht jede Woche kurz schneidet, tut mehr für den Vogelschutz als mit jeder noch so gut gemeinten Futterration.

Helfen mit Augenmass

Sommerfütterung ist weder grundsätzlich falsch noch automatisch sinnvoll. Wer Freude daran hat, Vögel am Futterplatz zu beobachten, sollte dies bewusst, hygienisch und mit geeignetem Futter tun – und zugleich im Blick behalten, dass die wirksamste Hilfe meist nicht im Futtersilo liegt. Entscheidend ist ein Garten, der Nahrung, Wasser, Schutz und Brutplätze bietet. So wird aus gut gemeinter Fürsorge ein nachhaltiger Beitrag.

JÖRG HELFENSTEIN, NATUR- UND VOGELSCHUTZVEREIN AADORF

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