Auffahrts-Morgenwanderung zum Thema «Biodiversität»

40 Leute erwarten den Beginn

Bericht Rolf Hug – Elgger/Aadorfer Zeitung 04.06.2019

Biodiversität stand im Mittelpunkt

Der Natur- und Vogelschutzverein Aadorf führte auch dieses Jahr die traditionelle Auffahrts-Morgenwanderung durch. Rund 40 Interessierte liessen sich dafür begeistern und konnten sich selbst von der Naturvielfalt, die die Gemeinde Aadorf zu bieten hat, überzeugen. 

AADORF – Ziel der Exkursion war es, an verschiedenen Schauplätzen, die an der Wegstrecke lagen, sich selbst ein Bild von der Natur und Landschaft, aber auch von den menschlichen Eingriffen zu machen, die sich im Laufe der Jahre ergeben haben. Unter fachkundiger Leitung von Geri Schwager und Edith Herrmann gelangte die Schar nach einer Viertelstunde zum ersten Halt bei der Briner-Grube. Früher wurde dort Kies abgebaut, später diente diese auch als Schutthalde, nun wurde sie mit Aushubmaterial aufgefüllt und renaturiert. Mit ihren drei Tümpeln eignet sie sich nun hervorragend als Amphibiengebiet. Wer weiss, vielleicht wird sie schon bald von zahlreichen Fröschen und Kröten besiedelt. Ein gelungenes Beispiel, wie aus einem Stück Brachland wieder intakte, lebensfreundliche Natur geschaffen werden kann. 

Weiter ging es zum Kieswerkareal das auf den ersten Blick nicht gerade besonders einladend wirkte. Doch der erste Eindruck kann täuschen, Tiere und Pflanzen benötigen nicht nur grüne Landschaften, auch Kiesplätze mit ihren Pfützen, Natursteinmauern mit Öffnungen, bieten vielen Kleinlebewesen und Insekten, aber auch Gräsern und Blumen eine Lebensgrundlage. Abwechslungsreiche Landschaften sind wichtig für eine gesunde Biodiversität, und keine Monotonie. Der Weiher beim Schützenhaus, eingebettet zwischen Sträuchern und Bäumen, gab Gelegenheit, den zahlreichen Vogelstimmen zu lauschen. Goldammer, Amsel und Kohlmeise waren zu vernehmen, aus dem Gehölz meldete sich der Zaunkönig, und auch Wasservögel, wie der Teichrohrsänger mischten beim bunten Konzert mit. Anhand einer Magerwiese, die erst Mitte Jahr gemäht wird, zeigte sich der Unterschied zu einer herkömmlich genutzten Wiese. Eine durchschnittliche Wiese besteht nebst Gräsern hauptsächlich aus Löwenzahn und Hahnenfuss, eine Magerwiese beherbergt eine Vielzahl weiterer Blumen. 

Schauplatz Altholzinsel 

Kurz vor Aawangen führte der Weg in ein spezielles Waldgebiet. Auf gut drei Hektaren wurde hier eine so genannte Altholzinsel ausgeschieden, das heisst der Wald wird in den nächsten zwanzig Jahren sich selbst überlassen. Umgestürzte Bäume werden nicht entfernt, das tote Holz kann sich ungestört zersetzen. Dieses Totholz bietet vielen Pilzarten die Möglichkeit, sich zu entwickeln, kann aber auch Brutgebiet für Vögel, und Lebensraum für Kleintiere, wie Marder oder Wiesel sein. Lange ging man in der Schweiz davon aus, ein Wald sollte möglichst sauber und aufgeräumt sein, bis man herausfand, dass viele Lebewesen zur Entfaltung und zum Gedeihen genau das Gegenteil brauchen, nämlich ein von der Natur selbst gestalteter Lebensraum, ohne menschlichen Eingriff. Der Weg führte auch an zahlreichen, landwirtschaftlich genutzten Flächen vorbei. Ein Getreidefeld in der Nähe von Aawangen zeigte auf, wie eine moderne Landwirtschaft, im Einklang mit den Naturbedürfnissen, ausgestaltet werden kann. Rund um die genutzte Fläche war ein Streifen Wiese, etwa sieben Meter breit, ausgeschieden, der nun Lebensgrundlage für zahlreiche Pflanzen und Insekten ist. Hier wurde bewusst auf den maximalen Ertrag verzichtet, um der Natur ein Stück Biodiversität zurückzugeben. 

Auch Siedlungen können zur Vielfalt beitragen 

Oft wird unterschätzt, dass sich auch in unseren Siedlungsgebieten zahlreiche Vogel- und Insektenarten tummeln, und sich deren Gedeihen mit einer klugen Anordnung von Grünflächen, Bäumen und Sträuchern markant verbessern lässt. Gerade bei Neubaugebieten könnte noch viel besser darauf geachtet werden, Zonen zu schaffen, die nicht nur aus Garten und Rasen, sondern auch aus Hecken und Sträuchern bestehen. Auch Balkone können so gestaltet werden, dass sie ebenfalls ihren Beitrag zu einer gesunden Biodiversität leisten. 

Mit viel neuem Wissen ging es dann dem Ziel zu, der Heidelberghütte. Dort wurde bei Kaffee und Kuchen, Würste vom Grill und kalten Getränken, noch weiter über das Thema ausgetauscht. Auch lagen noch Formulare zu zahlreichen kantonalen und nationalen Initiativen auf. Diese wollen ebenfalls die Biodiversität fördern oder allgemein zu einem besseren Umgang mit der Natur anregen. Mit einer Unterschrift konnte damit auch noch ganz praktisch ein kleiner Beitrag geleistet werden, zu einem hoffentlich nachhaltigeren Schutz der Natur und Landschaft.  

ROLF HUG 

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